Leitgedanken

Die Leitfragen dazu lauten:

Wie können wir die Satzung inhaltlich und methodisch mit Leben füllen?

Was bedeutet sie für uns in der Praxis?

Wo und wie grenzen wir uns ab?

1. Zum Satzungspunkt: Förderung und Unterstützung von Selbsthilfeaktivitäten:

Förderung von Selbsthilfeaktivitäten beinhaltet immer auch folgende Ziele:

Förderung und ggf. Unterstützung beim Herausfinden der eigenen Fähigkeiten und Neigungen, Förderung von Kompetenzerfahrung und Eigenverantwortlichkeit, der sozialen Aktivität und des längerfristigen Engagements, sowie der Integration und der Nachhaltigkeit.

Wir wollen einer Konsumentenhaltung entgegenwirken und die Aktivität fördern.

Es gilt das Prinzip von Fördern und Fordern.

Es gilt der Gedanke: Hilf mir, es selber zu tun.

Das bedeutet für uns in der Praxis nicht mehr, aber auch nicht weniger, als das der Verein den Rahmen für eigene Aktivitäten und Ideen bietet, die Durchführung aber möglichst den jeweils Interessierten überlässt (z.B. Räume und Unterstützung bei der Rekrutierung von Teilnehmern, z.B. Informationen und Hinweise zur Kontaktaufnahme mit anderen Institutionen und Vereinen geben, soweit das unterstützend erforderlich ist).

Die Rolle des Vorstands und der hauptamtlichen MitarbeiterInnen besteht also darin, Impulsaufgreifer und Impulsgeber, Ideenaufgreifer und Ideengeber zu sein und nur da, wo es nicht anders geht, die Rolle des Ideenausführers zu übernehmen.

Die erste Frage vor der Durchführung von Aktivitäten lautet also immer: An wen können wir delegieren? Und nicht: Wie können wir das machen?

Aus versicherungstechnischen Gründen muss dabei beachtet werden, dass die jeweiligen „Schlüsselverantwortlichen“ Mitglieder sind bzw. die Möglichkeit haben, es relativ schnell bis zur Durchführung der Raumaufsicht zu werden.

Unterstützung von Selbsthilfe heißt aber auch ganz konkret, dass wir Menschen, die vor Ort häufiger als Teilnehmer erscheinen, schließlich auch dazu auffordern, ihren Beitrag – sei es bei ganz konkreten Hilfen, sei es bei der Durchführung einer Aktivität – zu leisten

(z.B. Mithilfe im Sonntags-Cafe, bei der Kinderbetreuung, beim Kuchenbacken und bei Veranstaltungen, z.B. Verantwortung übernehmen für die Organisation eines Kulturteils oder/und des Büffets, z.B. statt für die Menschen Formulare auszufüllen ihnen Begriffe und Inhalte erklären, damit sie es beim nächsten Mal möglichst selber können und/oder in die Lage versetzt werden, Andere zu unterstützen, z.B. nicht während ihrer Abwesenheit für Andere zu telefonieren, sondern ihnen soweit wie möglich den Hörer in die Hand drücken bzw. sie zuhören zu lassen, wenn sie die Sprache nicht so gut sprechen und ihnen die Zentralbegriffe erläutern, damit sie es beim nächsten Mal möglichst selber können.

Nicht: Ich mach` das für Sie sondern: Das können Sie auch bzw. das können Sie lernen und dabei begleite ich Sie, soweit das erforderlich ist.

2. Zum Satzungspunkt „Verantwortung für eigenes Handeln übernehmen“

Im Mittelpunkt unserer Unterstützung von Selbsthilfeaktivitäten steht also der Begriff der Eigenverantwortlichkeit oder auch Selbstverantwortung. Dann heißt es nicht „die machen das schon“ sondern „Ich mache, ich versuche, wir machen, wir versuchen.“ Dann heißt es nicht zuerst: “Die Verhältnisse sind schuld“, sondern: „Wie sind die Verhältnisse? Wie ist mein/unser Handlungsspielraum? Ggf.: Wie kann ich/wie können wir ihn erweitern?“ (z.B. auf dem Arbeitsmarkt, z.B. im Gesundheitswesen, z.B. bei Schulproblemen).

Der Verein will also dazu beitragen, dass die Menschen vor Ort die jeweils vorhandenen Möglichkeiten kennen lernen, nutzen und ggf. bei Veränderungen mitwirken können (z.B. bei der Verwirklichung von neuen Ideen vor Ort).

Der Arbeitsansatz des Vereins lautet also:

Handlungsorientierung unterstützen und darüber die Eigeninitiative und damit die Mit- und Eigenverantwortung zu fördern.

Der Verein ist also nicht dazu da, eine evtl. vorhandene Versorgungsmentalität zu unterstützen, indem er stellvertretend für die Menschen handelt.

Hierzu gehört es, Menschen zu ermutigen, das vorhandene eigene Talent und Potential zu erkennen und es für sich, für die Gemeinschaft vor Ort und letztlich für das Gemeinwohl insgesamt zu nutzen und einzusetzen.

Der Verein will Möglichkeiten bieten, die eigene schöpferische Kraft in sich zu erfahren und das eigene Können auch gemeinschaftsbezogen zu erleben.

Es gilt das Motto: Du bist wichtig für den Stadtteil und die Gemeinschaft. Verlass dich nicht nur auf Andere sondern mache auch selber – mit.

Basis ist ein Menschenbild, nach dem der Mensch nicht nur für sein Handeln, sondern auch für die Folgen seines Unterlassens – mitverantwortlich ist.

3. Zum Satzungspunkt:

Der Verein will zur sozialen und gesellschaftlichen Integration beitragen

Integration heißt für uns, dass alle Aktivitäten des Vereins grundsätzlich für alle Nationalitäten, also für alle Mitbürger des Stadtteils und der Stadt, zugänglich sein müssen.

Dabei behalten wir uns natürlich vor, auf Wunsch auch zielgruppengerechte Aktivitäten (wie z.B. nur für Jungen, nur für Mädchen, ggf. nur für Männer oder Frauen) zu unterstützen. Grundsätzlich darf jedoch niemand wegen seiner/ihrer Herkunft ausgeschlossen werden.

Das heißt konkret, dass wir evtl. Wünschen nach separaten Treffen von Bewohnern aus einem bestimmten Land nicht unterstützen, es sei denn, sie haben den Zweck, eine gemeinsame Aktivität mit Menschen aus anderen Nationen vorzubereiten, wie z.B. eine gemeinsame Fotoausstellung, in der sich verschiedene Länder vorstellen.

Unser Auftrag ist vorrangig stadtteilbezogen. Darum behalten wir uns vor, bei begrenzter Teilnehmerzahl und zu großem Andrang den Mitbürgern des Stadtteils Bloherfelde den Vorzug zu geben.

Der Verein ist parteipolitisch und religiös neutral auf der Basis von Akzeptanz und Toleranz.

Keinem Mitbürger darf aufgrund der Zugehörigkeit zu einer demokratisch orientierten Gruppe oder Partei oder aufgrund der Mitgliedschaft in einer staatlich anerkannten religiösen Gemeinschaft oder Kirche die Mitarbeit im Verein untersagt werden, es sei denn, es gibt deutliche Anzeichen dafür, dass der Verein einseitig für eigene Zwecke benutzt bzw. missbraucht wird. Hier entscheidet der Vorstand im Einzelfall.

Der Verein will den interreligiösen Dialog und die wechselseitige Achtung vor religiösen Symbolen fördern.

Hierzu gehören z.B. wechselseitige Einladungen zu bestimmten Festen (Weihnachtsfeier, Zuckerfest), Informationsveranstaltungen zu den unterschiedlichen Religionen, deren Symbole und rituelle Handlungen: Was ist dem Anderen heilig?

Der Verein dient jedoch nicht dazu, Raum für religiöse Handlungen zu bieten.

Integration ist aber auch ein kultureller Austausch,

wie z.B. über Lieder der Welt (internationales gemeinsames Singen), wie z.B. das Kennenlernen der Moden der Anderen (Modenschau der Kulturen), der Märchen der Welt, der Wohnformen, Sitten und Gebräuche in den verschiedensten Ländern (gemeinsame Fotoausstellung, ein gemeinsam erstelltes internationales „Sitten- und Gebräuchebuch), wie z.B. die Eßgewohnheiten der Anderen (internationales Kochen/Essen).

Der Verein unterstützt themenbezogene Veranstaltungen nach dem Motto: „Da gehe ich hin, weil mich das Thema interessiert“ statt „Da gehe ich hin, weil ich (z.B.) Türke bin.“

Integration ist für den Verein keine Einbahnstrasse.

Integration ist nicht nur eine Bringe-, sondern auch eine Abholschuld.

Integration beinhaltet also immer beides: Fördern und Fordern.

Deshalb befürwortet und unterstützt der Verein wechselseitige Kontakte und die Vermittlung in Sprachkurse.

4. Zum Satzungspunkt „Zusammenarbeit mit anderen Institutionen“

Ehrenamtlichkeit braucht Weiterbildungsangebote zu günstigen Bedingungen.

Von daher ist der Verein grundsätzlich offen für die Zusammenarbeit mit allen Weiterbildungsinstitutionen, insofern sie dem Integrationsgedanken nicht widersprechen.

Der Verein hat keine Berührungsängste bezüglich der Zusammenarbeit mit den verschiedensten Kirchen und Parteien, insofern sie auf der Basis von Akzeptanz und Toleranz und nicht auf der Basis von Indoktrination stattfinden. Auch hier gilt im Zweifelsfall, dass ein Beschluss des Vorstandes herbeigeführt werden muss.

Der Verein will die Ressourcen anderer Institutionen nutzen, wie z.B die Universität Oldenburg für das Projekt interkultureller Chor, den Fachbereich Kunst für Kunstprojekte, für die interkulturelle Begegnung den Fachbereich Interkulturelle Pädagogik, wie z.B. die Zusammenarbeit mit den Vereinen vor Ort und insbesondere der Sozialarbeit vor Ort sowie der Bezirkssozialarbeit der Stadt Oldenburg, wie z.B. die projektbezogene Zusammenarbeit mit Vereinen in Oldenburg, die gleichfalls den interkulturellen Dialog fördern.

5. Unser Selbstverständnis zur Ehrenamtlichkeit

Aus den verschiedensten Gründen hat der Vorstand beschlossen, dass niemand sich längerfristig ehrenamtlich festlegen soll.

Ehrenamtliche Verpflichtungen sollen also immer nur aktivitäten- bzw. projektbezogen in einem jeweils zeitlich überschaubaren Rahmen eingegangen werden.

Auf diese Weise hat jeder Ehrenamtliche immer wieder die Chance, sich ohne Druck und Erklärungsnot sozusagen ganz natürlich aus- bzw. einzuklinken. Damit will der Verein dem Burn-out durch ein Ehrenamt und den damit auch für ihn möglicherweise verbundenen Unannehmlichkeiten vorbeugen.

Der Verein geht davon aus, dass auch die für ihn ehrenamtlich tätigen Personen einen Anspruch auf Anerkennung, also auf eine kleine Aufwandsentschädigung haben (für z.B. Vorbesprechung, Telefon, Materialbesorgung etc.).

Darum und aus Gründen der Gleichwertigkeit legen wir hiermit fest, dass jeder Ehrenamtliche verpflichtet ist, für jede Aktivität (wie z.B. Basteln, Malen, Vorlesen, Kochen, Krötenwanderung, Besichtigung Botanischer Kräutergarten etc.) pro Erwachsenen 1,-- Euro und pro Kind 0,50 Euro an Aufwandentschädigung entgegenzunehmen. Ggf. anfallende und nicht gesponserte anteilige Materialkosten sind - personenbezogen - zusätzlich zu bezahlen.

Für die Fahrtkosten von Ehrenamtlichen und mögliche Referenten gilt folgendes: Innerhalb des VBN-Netzes von Oldenburg wird ein Betrag in Höhe des Bustickets erstattet. Ist die Nutzung des Busses nicht möglich (Transport- und Verbindungsprobleme) wird ab einer Entfernung von 5 km Wegegeld in Höhe von 0,15 Cent/km ausgezahlt.

Die Projektaufsicht hat der Vorstand. Die Annahme und die damit verbundenen organisatorischen bzw. beraterischen Aufgaben werden der jeweiligen hauptamtlichen Kraft übertragen.

Integration kann jedoch nicht nur über Ehrenamtlichkeit und Mitbeteiligung geschehen. Der Bewohnerverein geht vielmehr davon aus, dass immer dann, wenn es nötig und möglich ist, die Integration in den Arbeitsmarkt Vorrang vor der Ehrenamtlichkeit hat.

Das bedeutet konkret: Der Verein hat das Ziel, immer da, wo es irgend möglich ist, das jeweils vorhandene Potential zur Schaffung von Arbeitsplätzen auszuschöpfen.

Damit gibt er nicht nur der jeweiligen Person eine Chance, ihr Einkommen zu verbessern bzw. Geld zu verdienen, sondern damit erfüllt er auch seinen gesamtgesellschaftlichen Auftrag, nämlich den, Arbeitsplätze zu schaffen und darüber Integration zu ermöglichen.

Hierzu sind verschiedene Finanzierungsmodelle möglich. Darüber entscheidet der Vorstand im Einzelfall.

6. Zum Satzungspunkt „Beitrag zur Identifikation mit dem Wohnort“

Die Verwirklichung dieses Punktes ist einzelfallabhängig. Er beinhaltet zum Beispiel die Teilnahme am Sommerfest des Stadtteils und an der Aufstellung des Weihnachtsbaumes. Er bedeutet Teilnahme an und Unterstützung von traditionellen Sitten und Gebräuchen, aber auch die Kreierung von neuen kulturellen „highlights.“ und Traditionen, die die interkulturelle Lebensqualität des Stadtteils verbessern.

Der Verein hat sich die Förderung von Aktivitäten, die die interkulturelle Infrastruktur des Stadtteils fördern und betonen, zur Aufgabe gemacht.

Unter diesem Stichwort geht es vorrangig um Unterstützung bei der Gestaltung eines interkulturellen Programms, wie z.B. Ausstellungen und die Organisation von interkulturellen Projekten und Treffen.

Ziel all dieser Aktivitäten ist die Förderung der gelebten Begegnung, des Dialogs und der interkulturellen Toleranz. Unter Toleranz versteht der Verein die gelebte und akzeptierte Unterschiedlichkeit unter dem Dach des gemeinsamen Interesses, wonach unser Stadtteil für alle liebens- und lebenswert sein soll.

Schlusswort:

Bei all unseren Bemühungen geht es letztlich um die persönliche Begegnung zwischen Menschen der unterschiedlichen Kulturen. Denn Toleranz kann man nicht theoretisch, sondern nur in der persönlichen Begegnung erwerben.

 


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